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LWS

Schmerzen in der Lendenwirbelsäule

Es ist die Volkskrankheit Nummer eins: Der Rückenschmerz. Zwischen 60% und 80% der Deutschen haben mindestens einmal im Leben Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (unterer Rückenbereich).

Nicht selten führt das Auftreten von Rückenschmerzen zur Berufsunfähigkeit und ist mit immensen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden.

Jedoch sind 85%, der meist als dramatische empfundenen Rückenschmerzen unkompliziert und mit guter Prognose. Man wird also nur vorübergehend außer Gefecht gesetzt und die Beschwerden klingen auch ohne Therapie meist innerhalb von etwa 6 Wochen wieder ab.

13% der Rückenschmerzen und lediglich 2% der Rückenschmerzen haben eine ernsthafte Erkrankung als Ursache (z.B. Tumore, Verletzungen,…)

Am häufigsten betroffen ist dabei die Lendenwirbelsäule. Als unterster Teil der Wirbelsäule hat sie das meiste Gewicht zu tragen und große Kräfte zu kompensieren.

Man unterscheidet zwischen akuten und chronischen Schmerzen hinsichtlich ihrer Dauer.

Als Akut wird der erste auftretende Schmerz bezeichnet, der sich mehr oder weniger plötzlich entwickelt und nicht länger als 3 Monate anhält. Halten die Rückenschmerzen dagegen länger als 3 Monate ununterbrochen an (ohne schmerzfreie Intervalle), werden sie als chronisch bezeichnet.

Rückenschmerzen im Alltag

Ursachen für die Entstehung von Rückenschmerzen

Lendenwirbelsäule Modell

Meist ist keine einzelne Ursache für die Entstehung von Rückenschmerzen verantwortlich. Vielmehr muss der Mensch als Ganzes betrachtet werden und die Auswirkungen von körperlichen, psychischen und sozialen Anforderungen auf dessen Gesundheit. Somit liegen vielfältige Ursachen für die Entstehung von Rückenschmerzen vor.

Besonders häufig sind Muskelverspannungen der Auslöser, bedingt durch Fehlhaltungen, einseitige Belastungen, Bewegungsmangel oder auch Stress. Die verhärteten Muskeln erhöhen die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren. Bei akuter Anspannung setzt dann der Schmerz ein.

Bewegung heilt

Bewegungsmangel ist eine bekannte Ursache für Rückenschmerzen. Denn wird die Rückenmuskulatur nur einseitig belastet und unzureichend trainiert, drohen Verkürzungen der Muskeln und schmerzhafte Verspannungen im Rücken. Hierbei kann sich Bandscheibenmaterial verlagern. Diese Veränderung der Gewebestruktur kann eine Bandscheibenvorwölbung (lat.: Prolapsus nuclei pulposi) zur Folge haben, denn das Gewebe formt sich nach der Funktion. 

Die Übung wird zur Mobilisation der Lendenwirbelsäule eingesetzt. Mit Hilfe der Rotation kann man muskuläre Verspannungen lösen und die Beweglichkeit verbessern.

Der Arbeitsplatz

Auch Haltungsfehler, z.B. beim Anheben oder Tragen schwerer Lasten können auf Kosten des Rückens gehen. Insbesondere am Arbeitsplatz wird häufig nicht auf eine rückenfreundliche Haltung geachtet. Monotone Haltungen und Bewegungsabläufe äußern sich auf Dauer häufig durch Beschwerden im unteren Rücken (meist durch sitzende Schreibtischtätigkeit am PC). Mit einem rückenfreundlichen Arbeitsplatz, d.h. einer richtig eingestellten Tischhöhe, einem guten Bürostuhl, optimaler Monitorhöhe, evtl. ein Stehpult/-schreibtisch und zusätzlich häufigem Positionswechsel (am besten alle 30 min) und Ausgleichsgymnastik können Beschwerden vorgebeugt werden.

Stress als Co-Faktor

Rückenschmerzen treten häufig bei anhaltendem Stress auf. Der Grund ist, dass die Ausschüttung von Stresshormonen den gesamten Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Dies führt nicht nur zu Unruhe und Nervosität, auch die Muskulatur verspannt sich.

Die Psyche spielt als ein Faktor bei der Entstehung von Rückenschmerzen eine große Rolle und darf nicht übersehen werden. Aussagen wie: „Wer tritt mir ins Kreuz?“, „Wer sitzt mir im Nacken?“ oder „die Last auf den Schultern tragen“ kommen nicht von ungefähr. Tatsächlich sind es Sorgen, Ängste, hoher Arbeitsdruck, Versagensängste, etc, die eine zusätzliche Spannungserhöhung in der Muskulatur bewirken können und damit Rückenschmerzen verstärken oder auslösen können. Das seelische Befinden entscheidet auch darüber, wie lange und wie stark ein Rückenschmerz wahrgenommen wird.

Bei der Entstehung von chronischen Schmerzen spielen neben den somatischen (körperbedingten) Faktoren auch psychische und soziale Faktoren, sogenannte „yellow flags“, eine entscheidende Rolle.

Lange Arbeitsunfähigkeitszeiten, Rückzug aus dem sozialen Leben und häufig auch Depressionen sind Auswirkungen des chronischen Schmerzes. Routinebehandlungen führen dann nur selten zum Erfolg. Erst die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizinern, Psychologen und Physiotherapeuten ermöglicht eine effektive Behandlung.

Chronisch?

Problematisch ist eine prinzipiell pessimistische, inaktive Einstellung des Patienten gegenüber der Behandlung von Rückenschmerzen. Auch das Schmerzvermeidungsverhalten („fear avoidance“) spielt eine wichtige Rolle. Probleme in der Familie, am Arbeitsplatz oder diesbezügliche Anspannungssituationen können die Entwicklung eines chronischen Schmerzsyndroms mit verursachen. Beim chronischen Schmerz besteht der direkte Zusammenhang zwischen Schmerzursache und Schmerzempfindung nicht mehr. Der Schmerz hat seine Warn- und Schutzfunktion verloren und ist selbst zur Schmerzkrankheit geworden.

In den weitaus selteneren Fällen sind krankhafte Veränderungen oder Grunderkrankungen für die Entstehung von Rückenschmerzen verantwortlich (spezifischer Rückenschmerz).

Orthopädischer Rückenschmerz

Mögliche Ursachen für spezifische Rückenschmerzen sind zum Beispiel:

  • Bandscheibenvorfall (lat. Nucelues pulposus Prolaps = Austritt von Bandscheibengewebe aus dem Faserring mit Eintritt in den Wirbelkanal und evtl. Kompression einer oder mehrerer Nervenwurzeln mit ausstrahlenden Schmerzen i.V.d. Beines, Muskelschwäche/Lähmung, Sensibilitätsstörungen und Reflexabschwächung/-ausfall als mögliche Folge)
  • Sequestrierte Bandscheibe ( Ablösung eines Teils der krankhaft veränderten Bandscheibe, welches frei im Wirbelkanal liegt eine Nervenkompression auslösen kann)
  • Bandscheibenvorwölbung (lat. Protrusion, d.h. eine Schwachstelle im intakten Faserring der Bandscheibe, wodurch es zur Verlagerung von Bandscheibengewebe innerhalb des Faserrings kommt und dieser sich vorwölbt)
  • Beschwerden des Ischias (N. ischiadicus) (Nervenreizung durch Nervenwurzelkompression oder Muskelhartspann)
  • Hexenschuss (akute Blockierung/Zerrung eines Wirbelsegments mit reflektorischer Muskelverhärtung und schmerzhafter Bewegungseinschränkung/Zwangshaltung)
  • Spinalkanalstenose (Einengung des Wirbelkanals in einem Teilbereich der Lendenwirbelsäule, meist knöchern bedingt durch degenerierte Wirbelgelenke. Hierbei kann es zu ein- oder beidseitigen lokalen oder auch ausstrahlenden Schmerzen in die Beine kommen)
  • Instabilität, Wirbelgleiten (lat. Spondylolisthesis, besonders im Bereich der tiefsten Lendenwirbel mit ein- oder beidseitiger Schmerzausstrahlung in die Beine je nach Bewegung)
  • Skoliotische Fehlhaltung/ Skoliose (Seitverbiegung der Wirbelsäule)
  • Wirbelkörperbruch bei Osteoporose (Knochenschwund)
  • Arthrose im Bereich der kleinen Wirbelgelenke (Facettensyndrom)
  • Tumore (meist manifestieren sich Metastasen im Bereich der Wirbelsäule)

Diagnostik

Eine ausführliche Anamnese (Befragung), sowie eine genaue körperliche Untersuchung können herausfiltern/eingrenzen, von welcher (n) Struktur (en) die bestehenden Beschwerden herrühren, welche Mechanismen den Schmerz auslösen bzw. verbessern.

Möglicherweise stehen auch die angrenzenden Gelenke (Hüft-, und Iliosacralgelenke) im Zusammenhang mit der Beschwerdesymptomatik.

Neben der Röntgendiagnostik kann eine Computertomographie oder eine MRT-Untersuchung die ärztliche Diagnostik unterstützen und eine BS-Vorwölbung/-vorfall oder eine Einengung des Wirbelkanals sichtbar machen und die vom Arzt gestellte Diagnose untermauern.

Trotzdem gilt es, sich keine Angst von den Bildern machen zu lassen, denn das Wichtige ist,  ob und wie man den Schmerz beeinflussen kann.

Therapie bei Rückenschmerzen

Der akute Rückenschmerz hat eine eher gute Prognose. Das erste Ziel ist die Schmerzlinderung. Das wichtigste hierbei ist, dass man trotz Schmerzen so aktiv wie möglich bleibt. Nicht Bettruhe und Schonung, sondern Bewegung heißt das Rezept, um aktiv gegen die Schmerzen vorzugehen und nicht in den Teufelskreis zu gelangen, durch Angst die Schmerzen zu verstärken. Neben der Einnahme von Medikamenten haben sich vor allem die physiotherapeutische Behandlung, ergänzend  Chiro- und Elektrotherapie, Ultraschallbehandlung, Massagen oder Akupunktur bei akuten Schmerzen bewährt.

Bei radikulärem (durch Nervenwurzelkompression ausgelöst) Rückenschmerz können Injektionen mit Lokalanästhetika, Kortison oder eine PRT (periradikuläre Therapie) helfen.

Beim pseudoradikulären Schmerz hingegen handelt es sich um unspezifische, meist lokale Schmerzen im Rücken, wobei es zu keiner Nerveneinengung kommt (z.B. Facettensyndrom oder Triggerpunkte).

Seltener jedoch erwähnenswert ist die Behandlung bei therapieresistenten Beschwerden. Hier kann eine Operation indiziert sein, welche heutzutage in der Regel auf minimalinvasive Weise durchgeführt wird. Damit wird das Gewebe geschont und durch eine frühfunktionelle physiotherapeutische Nachbehandlung kann relativ schnell das alte Aktivitätsniveau wieder erreicht werden.

Prävention

Ein ausreichendes Pensum an Bewegung ist die beste Möglichkeit, um Rückenschmerzen zu behandeln und vorzubeugen. „Wer rastet, der rostet“ und „Was nicht benutzt wird, geht verloren“, d.h. immer in Bewegung bleiben, Körperhaltungen ständig verändern und die Signale des Körpers beachten, um Überbeanspruchungen zu vermeiden. Durch Bewegung wird das körpereigene Schmerz-Hemm-System aktiviert und Beschwerden werden auf aktive Weise gedämpft. Neben der körperlichen Fitness verbessert sich durch regelmäßige Bewegung auch die eigene Zufriedenheit, durch Erfolgserlebnisse wird das Selbstbewusstsein gestärkt, was positive Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden hat.

Positive Wirkungen auf die Rückengesundheit zeigen Bewegungen in denen Komponenten wie Kraft, Koordination, Beweglichkeit und Ausdauer gefordert sind. Hierbei empfehlen sich Nordic Walking, Wassersportarten, funktionelles Training und betreutes Krafttraining. Hierbei werden tiefliegende Muskeln zur Stabilisation des Rückens gezielt gefordert.

Rückenschmerz und Physiosport (Expertenrat)

Bei Physiosport Köln arbeitet ein Expertenteam nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Rückenschmerz. Es hat speziell hierfür das Rückenstufenkonzept für akute und chronische Rückenschmerzpatienten entwickelt.

Die Therapie erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt und Sportwissenschaftlern.

Das Therapiekonzept besteht aus einer Kombination von Einzeltherapie (Manuelle Therapie, Osteopathie, Mc Kenzie, …), gerätegestützter Krankengymnastik und der individuellen Ausarbeitung eines Eigenübungsprogrammes zur selbstständigen Durchführung.

Somit wird der Rückenschmerzpatient stufenweise wieder in seine ursprüngliche Alltags- und Sportbelastbarkeit zurückgeführt.

Trainingsvideos

Bridging einbeinig

Die Übung wird oft bei der Stabilisierung des unteren Rückens eingesetzt. Hier wird vor allem die Muskulatur zur Beckenaufrichtung trainiert.