Neuro-Athletik-Training

Das zentrale Nervensystem ist das sich am schnellsten anpassende System im menschlichen Körper. Diese rasche Anpassung macht sich das NAT zu Nutze, um die Bewegungsqualität und die Leistungsfähigkeit unmittelbar positiv zu beeinflussen.

Was ist NAT?

Eine von vielen Aufgaben des Gehirns, ist es Vorhersagen zu treffen, ob potenzielle Gefahren für den Körper bestehen. Diese Vorhersagen trifft das Gehirn mit Hilfe aller Informationen die zum Gehirn gelangen. Hierzu gehören alle sensorischen Kanäle (z.B.: Augen, Gehör, Gleichgewichtsorgane, etc.). Bestehen Einschränkungen in diesen Kanälen, kann das Gehirn keine hochwertigen Vorhersagen treffen. Dies kann zu Missinterpretationen im Gehirn und zu Schutzreaktionen führen, mit der Folge, dass die Steuerung des Bewegungsapparates leidet. Beim NAT werden Einschränkungen in den sensorischen Kanälen ausfindig gemacht und anschließend aufgearbeitet, mit dem Ziel die Bewegungsqualität und Leistungsfähigkeit wieder zu verbessern, sowie Bewegungseinschränkungen und Schmerzen abzubauen.

Vereinfacht ausgedrückt: Stellt man sich den Körper als Auto vor, dann wäre das Gehirn der Fahrer. Ein Training des Fahrers wird unmittelbar zu einer besseren Fahrleistung führen. Dieses Training wäre mit dem NAT vergleichbar.

Wie funktioniert NAT?

Das Gehirn trifft permanent Vorhersagen, ob eine Gefahr besteht oder nicht. Dieser Prozess läuft vollkommen autonom und unbewusst ab. Informationen hierüber erhält das Gehirn über die sensorischen Eingänge (Inputkanäle).

Die drei Hauptkanäle sind:

  • Der visuelle Kanal (Augen)
  • Der propriozeptive Kanal (Tiefenwahrnehmung, Gelenkstellungen, Muskelspannungen, etc.)
  • Der vestibuläre Kanal (das Gleichgewichtsorgan)

Alle Informationen die das Gehirn durch diese Kanäle erhält, werden analysiert und interpretiert. Die Informationen laufen im Gehirn durch eine Art „Gefahrenfilter“. Alte Erfahrungen und Erinnerungen werden in diesem Prozess mit den aktuellen Informationen verglichen. Daraufhin wird entschieden, ob die Situation Gefahren birgt oder als sicher bewertet wird.

Erscheint eine Situation als unsicher, reagiert das Gehirn mit Schutzmaßnahmen.

Diese können sein:

  • Schmerz
  • Einschränkungen von Bewegungsausmaßen
  • Muskuläre Spannungen
  • Kraftverlust

Als Folge kann der Körper verschiedene Bewegungsaufgaben nicht mehr qualitativ hochwertig ausführen.

Wann und warum interpretiert das Gehirn eine Situation als unsicher?

Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Einerseits greift das Gehirn auf alte Erfahrungen zurück (z.B.: „Beim letzten Mal Fußballspielen, habe ich mir das Kreuzband gerissen“). Andererseits können alte Verletzungen zu Einschränkungen in der Sensorik führen und entsprechend schlecht Informationen ans Gehirn senden. Ein weiterer Grund sind untrainierte bzw. lang ungenutzte sensorische Kanäle. Sensorik muss genau wie alles andere im Körper trainiert und genutzt werden, um auf dem besten Stand zu sein. Nur dann kann das Gehirn hochwertige Vorhersagen treffen und dem Körper alle Bewegungsfreiheiten zulassen, um folglich das volle Leistungspotential zugänglich zu machen.

Hier kommt das NAT zum Einsatz:

Das erste Ziel des Neuroathletiktrainings ist das Aufdecken sensorischer und motorischer Einschränkungen. Alte Verletzungen spielen hierbei eine große Rolle. Gab es beispielsweise eine Verletzung, bei welcher große Narben oder „taube“ Stellen entstanden, gilt es hierbei die Sensorik wieder zu bessern. Sobald diese entdeckt wurden, wird versucht diese Stellen in Form neuroathletischer Übungen systematisch aufzuarbeiten. Aufgrund der schnellen Anpassungsfähigkeit des zentralen Nervensystems, kann diese Aufarbeitung zu einer besseren Gefahreninterpretation und einer sofortigen Erhöhung der Leistungsfähigkeit führen.

Ein ähnliches Vorgehen findet bei motorischen Einschränkungen statt. Verletzungen und Operationen haben meist längere Ruhigstellung des betroffenen Gelenks und der umgebenden Gelenke zur Folge. Hierdurch kommt es nicht nur zu strukturellen Einschränkungen. Auch die zentral gesteuerte Bewegungskontrolle ist häufig reduziert und kann mit Hilfe des NAT adäquat wieder hergestellt werden. Speziell bei schnellen Bewegungen sollte diese Kontrolle vollständig vorhanden sein, um erneute Verletzungen vorzubeugen.

Um eine langfristige Besserung zu erreichen, sollten die Übungen regelmäßig durchgeführt und bei Bedarf angepasst werden.

Vereinfacht ausgedrückt: Stellt man sich vor, alle sensorischen Informationen werden dem Gehirn wie eine Landkarte dargestellt, wären beispielsweise alte Narben als dunkle Stellen auf der sensorischen Landkarte abgebildet. Mit Hilfe des NAT können diese dunklen Stellen für das Gehirn wieder sichtbar gemacht werden. Das Gehirn kann mit Hilfe einer besser „sensorischen Landkarte“ eine geeignete Gefahrenentscheidung treffen. Zusammenfassend könnte man sagen, dass das NAT die „Software“ des Körpers trainiert, während andere Maßnahmen wie Manuelle Therapie oder Massagen sich mit der „Hardware“ beschäftigen. Entscheidend dabei ist, dass die Hardware von der Software gesteuert wird. Entsprechend ist das NAT eine hervorragende Ergänzung zur herkömmlichen Therapie.

Neuroathletiktraining bei PhysioSport Köln

Alle Therapeuten mit NAT-Spezialisierung wurden von Z-Health-Education geschult. Bei Fragen werden die Therapeuten von PhysioSport Sie gerne weiterführend zum Neuroathletiktraining beraten.