Kinesiologisches Taping

Das Kinesio Tape ist ein tägliches Hilfsmittel der Physiotherapie. Beim kinesiologischen Taping wird ein farbiges, elastisches Tape benutzt, das auf die Haut geklebt wird. Der Physiotherapeut kann die Zugstärke, mit der er das Tape festklebt, beeinflussen und somit an jeden Patienten individuell anpassen.

Was kann durch das kinesiologische Taping erreicht werden?

Das Kinesio Tape kann bei folgenden Punkten von Nutzen sein:

  • Schmerzreduktion
  • Spannungsänderung der Muskulatur
  • Anpassung der Ansteuerung der Muskulatur
  • Reduktion von Schwellungen
  • Unterstützung von Gelenkfunktionen

Bei welchen Beschwerden wird das Tape eingesetzt?

Es gibt eine Vielzahl von Krankheitsbildern, bei denen ein kinesiologisches Tape die Arbeit eines Physiotherapeuten unterstützen kann:

  • nach Sprunggelenksverletzungen, z.B. Außenbandruptur am Fuß, nach Umknicken des Fußes, bei Achillodynien/ chronischen Achillessehnenbeschwerden, Hallux valgus, etc.
  • jegliche muskulären Beschwerden, z.B. Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Überdehnungen, etc.
  • Korrekturanlagen am Knie, z.B. nach Patellaluxation
  • bei Kniegelenksarthrose, nach vorderem Kreuzbandriss (LCA) oder Innenbandanriss oder –riss
  • nach Operationen, z.B. Rekonstruktion des Kreuzbandes, Meniskusoperation, Rekonstruktion des Mediopatellofemoralen Ligaments (MPFL)
  • Rückenschmerzen
  • Schulterschmerz: Impingement- Syndrom, Rotatorenmanschettenanriss, Bicepssehnenreizung
  • Tennis- und Golferellenbogen
  • Narbenbehandlung
  • zur Verbesserung des Lymphabflusses zum Beispiel nach großen Operationen:
    • Hüft-TEP (Hüft-Totalendoprothese) neues Hüftgelenk
    • Knie-TEP (Knietotalendoprothese) neues Kniegelenk
    • Bauchoperationen, bei denen Lymphknoten entfernt werden
    • Mamma-Karcinom

Was macht das kinesiologische Tape so besonders?

Die bunten Pflasterstreifen sind hochelastisch, atmungsaktiv und hautverträglich, außerdem latexfrei, weswegen sie auch bei einer Unverträglichkeit getragen werden können. Das kinesiologische Tape schränkt die Beweglichkeit nicht ein, sondern wirkt schmerzlindernd, stabilisierend und stoffwechselanregend.

Hinzu kommt, dass das Tape auch im Alltag weiter wirkt. Es bildet also eine gute Ergänzung zur Krankengymnastik oder zur Physiotherapie. Die Tapes halten 1-2 Wochen, hierbei kommt es auf die Lokalisation des Tapes an. Am Fuß löst sich ein kinesiologisches Tape schneller als z.B. am Rücken, da es durch das Laufen einer ständigen Reibung von außen ausgesetzt ist.

Der Patient kann mit seinem Tape aber alles machen, was er sonst auch macht. Er kann duschen, schwimmen oder in die Sauna gehen – das alles macht das Tape problemlos mit. Es sollte einzig darauf geachtet werden, nicht zu stark mit dem Handtuch über das Tape zu reiben, ein leichtes Abtupfen empfiehlt sich hier eher.

Achtung bitte: wenn das Tape juckt, die Bewegung einschränkt oder sich ein roter Saum um das geklebte Tape bildet, sollte es abgenommen werden. In seltenen Fällen kann es zu Reaktionen der Haut auf das Tape kommen, im schlimmsten Fall sogar zu Brandblasen. Zieht man das kinesiologische Tape aber bei den ersten Anzeichen direkt ab, kann nichts geschehen.

Wie wirkt das Kinesio Tape?

Der Wirkungsmechanismus läuft über Rezeptoren (Empfänger) in der Haut. Diese werden durch das Tape aktiviert und führen dazu, dass zusätzliche Informationen aus dem jeweiligen Gebiet zum Gehirn geschickt werden. Diese Informationen bzw. Wahrnehmungen über Position und Belastung der verschiedenen Körperteile dienen dem Gehirn zur besseren Kontrolle des Körpers.

Durch die Haftung des Tapes auf der Haut und der dadurch ausgelösten mechanischen Verschiebung bei ausgeführten Körperbewegungen erfolgt eine Reizung der Mechanorezeptoren in der Haut. Die von ihnen aufgenommenen Informationen laufen über das gleiche Tor wie der Schmerzreiz, nämlich das Hinterhorn, ins Rückenmark. Die Informationen sind allerdings schneller als der Schmerzreiz und hemmen somit deren Weiterleitung – die Folge ist eine Schmerzlinderung.

Dem kinesiologischen Tape werden zudem nach der Farbheilkunde verschiedene Wirkungen nachgesagt. Das blaue Tape steht z.B. für Kühlung, Eis und sorgt für eine Reduktion der Spannung im Muskel. Pink steht für Feuer, Anregung und soll für mehr Spannung im Muskel sorgen. Die physikalische Wirkung des Tapes ist aber immer gleich.

Wer hat das kinesiologische Taping erfunden?

Das kinesiologische Tape wurde von dem japanischen Chiropraktiker Kenzo Kase entwickelt. Seine Erfindung fußt auf der Überlegung, auf das größte Sinnesorgan des Menschen, nämlich die Haut, positiv Einfluss nehmen zu können. Mit seiner Methode können die natürlichen Heilungsprozesse des menschlichen Körpers angeregt werden.