Myofasziales Schmerzsyndrom

Das myofasziale Schmerzsyndrom (MSS) ist die Zusammenfassung einer Gruppe von Symptomen, die durch sogenannte myofasziale Triggerpunkte direkt oder indirekt ausgelöst werden. In der Literatur findet man oft auch die Bezeichnungen „myofasziales Syndrom“ (MFS) oder „myofasziales Dysfunktionssyndrom“.

Die Symptome können sowohl Schmerzen (akut oder chronisch), als auch eine funktionelle Störung des Bewegungsapparats (z.B. eingeschränkte Beweglichkeit, verminderte Kraft, schlechte Koordination) oder des vegetativen Nervensystems (z.B. Schwindel, Schlaflosigkeit, vermehrtes Schwitzen) sein.

Eine Unterteilung des myofasziales Schmerzsyndrom erfolgt in ein primäres, sekundäres, akutes und chronisches Schmerzsyndrom.

Was ist ein primäres myofasziales Schmerzsyndrom (MSS)?

Hier findet man den auslösenden Faktor der Beschwerden in Form eines oder mehrerer Triggerpunkte in der Muskulatur selbst. Eine Behandlung der eigentlichen Ursache (Kausaltherapie) ist dadurch möglich und eine Linderung der Beschwerden prognostisch als gut einzuschätzen.

Klinische Bilder für ein primäres MSS, die oft auf den ärztlichen Verordnungen für Physiotherapie wiederzufinden sind, sind z.B. HWS- /Cervicalsyndrom mit/ohne Kopfschmerzen, craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), Impingement-Syndrom, Epicondylitis humeri lateralis, Lumbalgie, Lumboischialgie, Hüftimpingement, Schambeinentzündung (ostitis pubis), Patellaspitzensyndrom (PSS), Achillodynien oder Plantarfasziitis.

Was ist ein sekundäres myofasziales Schmerzsyndrom?

Die Triggerpunkte treten in Form einer sekundären Problematik zum Vorschein. Die primär auslösenden Faktoren für die Störung können außerhalb der Muskulatur liegen, dementsprechend z.B. arthrogen, neurogen, psychogen oder viszerogen sein. Folglich ist keine Kausaltherapie, sondern nur eine symptomlindernde Therapie (z.B. Schmerzreduzierung) möglich. Als Beispiel dient die sogenannte Coxarthrose. Hier gibt es eine Veränderung der Arthrokinematik im Hüftgelenk, was evtl. eine sekundäre myofasziale Problematik z.B. in den Adduktoren zur Folge hat. Der Behandlungserfolg dieser Muskulatur wird dementsprechend nur vorübergehend sein. Dennoch kann es durch die Therapie zu einer kurzzeitigen verbesserten Arthrokinematik kommen, die man nutzen kann um wiederum andere Ebenen, z.B. arthrogen durch funktionelles Training, positiv zu beeinflussen.

Was ist ein akutes myofasziales Schmerzsyndrom?

Diagnose und Behandlung sind meist problemlos und einfach. Meistens ist nur ein einziger Muskel betroffen und die ursächlichen Beschwerden nach wenigen Therapiesitzungen verschwunden (Travell u. Simons 2002, Dejung 2009).

Was ist ein chronisches myofasziales Schmerzsyndrom?

Entscheidend sind hier prädisponierende (z.B. schlechter Fitnesszustand), auslösende (z.B. akute Fehlbelastung) und aufrechterhaltende (z.B. schlechte Haltung) Faktoren, die zusammenwirken. Folglich kann ein MSS in der Peripherie und/oder zentral chronifizieren.

  • Periphere myofasziale Chronifizierung:

Oft findet man mehrere primäre aktive Triggerpunkte in der betroffenen Muskulatur, was über einen langen Zeitraum die Entstehung von sekundären Triggerpunkten in Antagonisten und Synergisten begünstigt. Dies hat wiederum zur Folge, dass sich Satelliten-Triggerpunkte im Referred-Pain-Gebiet der primären Triggerpunkte bilden können. Es kommt zur Entwicklung von sogenannten Triggerpunktketten.

Durch chronische myofasziale Beschwerden kann es zu Bindegewebsveränderungen kommen. Durch eine „Schrumpfung“ des Bindegewebes und Bildung pathologischer Crosslinks wird die volle Funktion/Koordination des Muskels, sowohl im Muskel selbst, als auch zwischen Muskelgruppen, eingeschränkt. Dies führt zu einer reduzierten Beweglichkeit, einer gestörten Arthrokinematik und muskulären Dysbalancen zwischen Synergisten und Antagonisten. Die Beteiligung der Bindegewebsstrukturen an chronischen peripheren myofaszialen Schmerzen sollte also nicht unterschätzt werden.

  • Zentrale Chronifizierung:

Bei einer zentralen Chronifizierung ist es nötig über den myofaszialen Tellerrand hinauszuschauen. Die Tiggerpunkttherapie alleine wird dem Patienten nicht helfen. Vielmehr ist es wichtig die Therapie anzupassen und die myofasziale Behandlung als Baustein der Therapie zu sehen (z.B. zur symptomatischen Schmerzlinderung).

Wichtig!

  • Schmerzen können ausstrahlen. Wer dieses Phänomen des Referred Pain (Ort der Schmerzempfindung ist nicht gleich der Ort der Schmerzursache) nicht beachtet wird die Ursache für die Beschwerden wahrscheinlich weder finden noch lindern können und eine fortschreitende Chronifizierung eher begünstigen.

Quelle: Roland Gautschi: Manuelle Triggerpunkt-Therapie. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG. 3. Auflage. 2016.