Myofasziales Schmerzsyndrom (MSS)

Das myofasziale Schmerzsyndrom (MSS) wird in der Literatur auch oft als myofasziales Syndrom (MFS) oder myofasziales Dysfunktionssyndrom bezeichnet. Es beschreibt die Zusammenfassung einer Gruppe von Symptomen, die durch myofasziale Triggerpunkte direkt oder indirekt ausgelöst werden können.

Eine Unterteilung des myofasziales Schmerzsyndrom erfolgt in ein primäres, sekundäres, akutes und chronisches Schmerzsyndrom.

Was ist das myofasziale Schmerzsyndrom?

Das MSS beschreibt schmerzhafte Symptome, die durch Triggerpunkte ausgelöst werden. Diese Symptome können sein:

  • Schmerzen (akut oder chronisch)
  • eine funktionelle Störung des Bewegungsapparats (z.B. eingeschränkte Beweglichkeit, verminderte Kraft, schlechte Koordination)
  • eine funktionelle Störung des vegetativen Nervensystems (z.B. Schwindel, Schlaflosigkeit, vermehrtes Schwitzen)

Grundsätzlich lässt sich das myofasziale Schmerzsyndrom in vier Kategorien aufteilen, das primäre MSS, das sekundäre MSS sowie das aktute und das chronische MSS:

Das primäre myofasziale Schmerzsyndrom

Beim primären MSS sitzt der auslösende Faktor der Beschwerden in der Muskulatur selbst. Eine Behandlung der eigentlichen Ursache (eine sogenannte Kausaltherapie) ist dadurch möglich und eine Linderung der Beschwerden prognostisch als gut einzuschätzen.

  • HWS- /Cervicalsyndrom – mit/ohne Kopfschmerzen
  • craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
  • Impingement-Syndrom
  • Hüftimpingement
  • Epicondylitis humeri lateralis
  • Lumbalgie
  • Lumboischialgie
  • Schambeinentzündung (osteitis pubis)
  • Patellaspitzensyndrom (PSS)
  • Achillodynien
  • Plantarfasziitis

Das sekundäre myofasziale Schmerzsyndrom

Beim chronischen MSS treten die Triggerpunkte in Form einer sekundären Problematik zum Vorschein. Die primär auslösenden Faktoren für die Störung können außerhalb der Muskulatur liegen, dementsprechend z.B. arthrogen, neurogen, psychogen oder viszerogen sein. Folglich ist keine Kausaltherapie, sondern nur eine symptomlindernde Therapie (z.B. Schmerzreduzierung) möglich.

Als Beispiel dient die sogenannte Coxarthrose. Hier gibt es eine Veränderung der Arthrokinematik im Hüftgelenk, was eventuell eine sekundäre myofasziale Problematik z.B. in den Adduktoren zur Folge hat. Der Behandlungserfolg dieser Muskulatur wird dementsprechend nur vorübergehend sein. Dennoch kann es durch die Therapie zu einer kurzzeitig verbesserten Arthrokinematik kommen, die man nutzen kann um wiederum andere Ebenen z.B. arthrogen durch funktionelles Training positiv zu beeinflussen.

Das akute myofasziale Schmerzsyndrom

Hierbei sind Diagnose und Behandlung meist problemlos und einfach. Oft ist nur ein einziger Muskel betroffen und die ursächlichen Beschwerden nach wenigen Therapiesitzungen verschwunden.

Das chronische myofasziale Schmerzsyndrom

Ist das MSS chronisch, wirken mehrere Faktoren zusammen. Zum einen sind prädisponierende Faktoren von Bedeutung, z.B. ein schlechter Fitnesszustand. Dann kommen auslösende Faktoren hinzu, z.B. eine akute Fehlbelastung. Ebenso spielen aufrechterhaltende Faktoren beim chronischen MSS eine Rolle, hiermit ist z.B. eine schlechte Haltung gemeint. In der Folge kann ein chronisches myofasziales Schmerzsyndrom zentral oder peripher lokalisiert werden.

  • Periphere myofasziale Chronifizierung:

Oft findet man mehrere primäre aktive Triggerpunkte in der betroffenen Muskulatur, was über einen langen Zeitraum die Entstehung von sekundären Triggerpunkten in Antagonisten und Synergisten begünstigt. Dies hat wiederum zur Folge, dass sich Satelliten-Triggerpunkte im Referred-Pain-Gebiet der primären Triggerpunkte bilden können. Es kommt zur Entwicklung von sogenannten Triggerpunktketten.

Durch chronische myofasziale Beschwerden kann es zu Bindegewebsveränderungen kommen. Durch eine „Schrumpfung“ des Bindegewebes und Bildung pathologischer Crosslinks wird die volle Funktion/Koordination des Muskels, sowohl im Muskel selbst, als auch zwischen Muskelgruppen, eingeschränkt. Dies führt zu einer reduzierten Beweglichkeit, einer gestörten Arthrokinematik und muskulären Dysbalancen zwischen Synergisten und Antagonisten. Die Beteiligung der Bindegewebsstrukturen an chronischen peripheren myofaszialen Schmerzen sollte also nicht unterschätzt werden.

  • Zentrale Chronifizierung:

Bei einer zentralen Chronifizierung ist es nötig über den myofaszialen Tellerrand hinauszuschauen. Die Tiggerpunkttherapie alleine wird dem Patienten nicht helfen. Vielmehr ist es wichtig die Therapie anzupassen und die myofasziale Behandlung als Baustein der Therapie zu sehen (z.B. zur symptomatischen Schmerzlinderung).

Therapie des myofaszialen Schmerzsyndroms

Die Behandlung myofaszialer Schmerzen hängt vom Typ des MSS ab. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass Massagen und Wärmeanwendungen wie Fangopackungen oftmals schmerzlindernd wirken. Auch helfen sportliche Betätigungen wie Krafttraining, funktionelles Training und andere Bewegungstherapien unseren Patienten.

Unsere speziell ausgebildeten Physiotherapeuten kennen sich mit allen vier Formen des MSS aus und helfen Ihnen gerne weiter.