Läufer-Knie

Zu den typischen Läufer-Beschwerden gehört das sogenannte Läuferknie, im Fachchargon bezeichnet man es als das Tractus-iliotibialis Syndrom oder Iliotibialband-Syndrom (ITBS).

Typisch für das Krankheitsbild sind Schmerzen am äußeren Bein ungefähr auf Höhe des Kniegelenkes Die Ursache liegt häufig in einer Überbelastung.

An der Außenseite des Oberschenkels findet man den sogenannten Tractus Iliotibialis einen Faserzug bzw. eine Sehnenplatte. Dieser ist zusammengesetzt aus den Sehnenfasern des Musculus tensor fasziae latae und des Musculus glutaeus maximus und der Faszie des Musculus glutaeus medius. Der Verlauf des Tractus geht von der vorderen Darmbeinspitze (Spina iliaca anterior superior) aus kommend und zieht über das Hüftgelenk und das Kniegelenk zum äußeren Rand des Schienbeins (Tibia).

Im Sport kommt es vor allem bei Langstreckenläufern durch das ständige Beugen und Strecken des Kniegelenkes durch die Reibung über den Knochenvorsprung des Oberschenkels zu Reizzuständen an dem Faserzug und damit zu den Beschwerden. Schmerzen können dann auch bedingt durch die Reizung an Schleimbeutel oder Knochenhaut des Oberschenkels vorkommen.

Symptome

Stechende Schmerzen an der Außenseite des Kniegelenks und/oder am Darmbein sind typische Schmerzangaben der Betroffenen. Anfangs treten die Schmerzen beim Laufen auf und später auch schon beim normalen Gehen.

Die Symptomatik des ITBS erklärt sich aus der komplexen Funktion des Tractus iliotibialis, der als wichtiger seitlicher Verstärkungszug der Fascia lata fungiert, die wiederum eine großen Teil der Oberschenkelmuskulatur umfasst. Bei Verlagerung des Körpergewichts auf das Standbein wird der Tractus iliotibialis durch die darunter verlaufende Glutealmuskulatur und wirkt somit als eine seitliche Zuggurtung. Automatisch wird so die Biegungsbeanspruchung an der Außenfläche des Oberschenkels (Femurs) deutlich gesenkt. Im Zusammenspiel mit den oberen zwei Drittel des Musculus glutaeus maximus und dem M. tensor fasciae lata unterstützt der Tractus iliotibialis zudem die Schlussrotation des Kniegelenks und stabilisiert so das gestreckte Knie.

Durch eine ausführliche Diagnose kann man das Tractus-Iliotibialis Syndrom meist schon diagnostizieren. Bildgebende verfahren werden meist nicht in Betracht gezogen.

Wenn sich das Beschwerdebild unter einer Therapie nach drei Wochen nicht bessert, sollte man zum Beispiel an eine Ermüdungsfraktur des Wadenbeins denken.

Ursache

Fehl- oder Überbelastung sind meist die Ursache des Syndroms und keine Akutverletzung.

Zu den laufspezifischen Ätiologie gehört hauptsächlich ein nicht korrigierter Vorfußvarus, häufig in Verbindung mit falschem Schuhwerk. Eine damit einhergehende reaktive Übersupination provoziert bei jedem Laufschritt eine Überbelastung des Tractus iliotibialis und erklärt so die typische Symptomatik. Auch können das Laufen auf hartem Untergrund und viel zu hohe Trainingsumfänge die Symptomatik verursachen bzw. verstärken.

Auch ein schwacher Gesäßmuskel (Musculus glutaeus medius) führt dazu, dass beim Laufen das Becken auf der entgegengesetzten Seite Muskulär nicht gehalten werden kann und abkippt. Damit verbunden erhöht sich die Zugkraft auf den Tractus iliotibialis und somit die Reibung am äußeren Kniegelenk. Das Tractus-iliotibialis Syndrom wird zudem durch eine ungünstige Stellung wie beispielsweise O-Beine verstärkt bzw. begünstigt dieses Phänomen.

Übergewicht erzeugt eine höhere Belastung der Beinachsen und begünstigt dieses Erscheinungsbild eines Tractus-Iliotibialis Syndroms.

Behandlung

Wichtig ist das bei vorgestellten Symptomen niemals in den Schmerz hinein gelaufen werden sollte um das Ganze nicht noch weiter zu reizen.

Therapeutisch muss man zwischen einer Akutbehandlung und einer langfristig angelegten Therapie unterscheiden.

Präventiv sollte man die Ursache im Kern therapieren. Die Therapie findet meist im Zuge eines Beinachsentrainings statt.

Gekühlt wird die Reizung am äußeren Oberschenkel nur im Ausnahmefall, da hierbei nur die ohnehin schon schlechte Durchblutung im Sehnenbereich weiter verringert wird. Die Folge ist, dass die Entzündung schlechter zurückgehen kann und somit der Heilungsprozess verlangsamt wird. Eine Wärmetherapie macht im Akutfall Sinn, ist jedoch nur eine Lösung auf Zeit.

Grundsätzlich ist das Auftrainieren der Rumpf- und Hüftmuskulatur von größter Wichtigkeit bei einem bestehendem Tractus- Iliotibialis Syndrom. Das betreute Krafttraining ist die Grundlage für das sportartspezifische Training. So optimieren Sie den Bewegungsablauf beim Laufen und verhindern, dass die Hüfte auf der entgegengesetzten Körperseite absinkt.

Dehnen der kleinen Hüftmuskeln (Musculus glutaeus minimus und Musculus glutaeus medius) und des Tractus iliotibialis kann zusätzlich sinnvoll sein. Dadurch wird eine bessere Dehnfähigkeit im Bereich des Knochenvorsprungs am äußeren Kniegelenk erreicht und somit eine Verringerung der Reibung an der Knochenhaut.

Ein Kinesio-Tape im Verlauf des Faserzugs Tractus iliotibialis hilft zudem auch, da dieser durch das Tape entlastet werden kann und somit die Spannung reduziert wird. Jedoch gilt hier auch dass das ITBS nicht ursächlich angegangen wird.

Vorbeugung

Läufer sollten langfristig für ein ausgeglichenes Training sorgen, da beim Laufen weniger die für das Krankheitsbild beschriebenen nötigen Muskeln trainiert werden.

Neben dem Lauftraining gehören dazu Kräftigungs- und Stabilisationsübungen der hüftumgebenden Muskulatur und des Rumpfes. So wird die Muskulatur abwechslungsreich und vielseitig belastet. Damit beugen Sie Überlastungen des Tractus iliotibialis vor.

Zudem sollte ein auf den Läufer abgestimmter Laufschuh beim Joggen gewählt werden. Jeder Fuß ist individuell und bedarf einer guten Beratung im Fachgeschäft.

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